Persönliche Krisen als Möglichkeit spirituellen Wachstums

Wir wollen gemeinsam Mantras singen. Mantras sind Kräfte, die helfen, das Herz zu öffnen, Energien zum Fließen zu bringen, Bewusstsein zu erweitern. Wir singen das Jaya Ganesha, welches ihr auf der Seite 12 findet. Und die meisten von euch kennen das Jaya Ganesha, ich will es dennoch nochmals erläutern, auch im Hinblick auf das Thema, das wir heute Abend haben. Wir gehen es praktisch auf verschiedene Weisen an, mit Meditation, mit Affirmation, mit Fragen, dann über die Mantras, welches auch über die Kraft des Klanges an unsere Intuition sich wendet. Und dort findet ihr die erste Strophe, nennt sich Gaya Ganesha. Ganesha steht für einen guten Anfang. Und Jaya Ganesha heißt auch, die Bereitschaft, immer wieder für einen Neuanfang. Manchmal gerät man deshalb in eine Krise, weil man irgendwo steckenbleiben will. Es gibt ja viele wunderschöne Blumen jetzt im Frühling auch in den Parks und im Tal. Vorher bin ich mit Mahadev an der Alp entlang gegangen und da sind so viele schöne Blüten. Jetzt angenommen, eine Blüte würde sich weigern, sich zu öffnen, weil sie nicht weiß, was als nächstes passiert. Und natürlich, eine Blüte kann das jetzt nicht entscheiden, aber angenommen, sie wollte entscheiden. Auf der einen Seite hält sie fest und auf der anderen Seite will sie sich entfalten. Und irgendwann wird sie sich dann trotzdem öffnen. Und so ist Ganesha so ein wichtiger Aspekt, immer wieder die Bereitschaft, neu da zu sein. Und manchmal auch, das, was man tut, einfach immer wieder mit neuem Enthusiasmus zu tun. Offenheit, auch dafür steht Ganesha. Swami Vishnu, der Meister, bei dem ich zwölf Jahre gelernt hatte, der hat auch gerne gesagt: „Keep an open mind! Halte einen offenen Geist!“ Und das ist das, was ich auch an ihm immer wieder bewundert habe, er hatte nicht nur einen spirituell offenen Geist, er hatte immer für alles Mögliche einen offenen Geist, er hatte so eine Neugier gehabt. Von allen Möglichen. Vom Technischen, zum Menschlichen, zum Neuigkeitenmäßigen, so eine starke Offenheit für Dinge und damit auch für Lektionen, die da waren. Nächste ist, Sharavanabhava. Sharavanabhava ist Kraft und Stärke. Also, manchmal braucht man auch Kraft und Stärke, um weiterzumachen. Sharavanabhava gilt auch jetzt in der Mythologie als der Heerführer der Götter. Und er ist durchaus einer, der auch bereit ist, sich mal durchzusetzen. Ich bin zwar ein großer Befürworter von Gewaltlosigkeit, Ahimsa, aber das heißt nicht, dass man immer, in jedem Moment, immer nachgibt, sondern manchmal muss man sich auch durchsetzen. Manchmal, übrigens, nicht immer. Manchmal muss man sich auch durchsetzen. Es gibt ja das deutsche Sprichwort: „Der Klügere gibt nach.“ Aber wisst ihr, was die Konsequenz ist? Wenn das so wäre, glücklicherweise ist es nicht so. Wenn der Klügere immer nachgibt, dann regieren die Dummen die Welt. Das ist auch nicht immer richtig. Also, manchmal muss man nachgeben und manchmal muss man sich durchsetzen und relativ häufig ist es sogar am Klügsten, man sucht einen dritten Weg. Das ist auch manchmal die Sharavanabhava in Verbindung mit Ganesha und vor allen Dingen mit Saraswati.

Tue alles, was du kann für den Erfolg im Leben und Selbstverwirklichung. Das vollkommene Yogasystem gibt uns das richtige Werkzeug in die Hand, um jetzt zu üben…

Irgendwann sollte ich einen Meditationskurs geben. Hier haben wir ja die Meditationskursleiterausbildung und alles, das gab es damals alles nicht. Da wurde gesagt, „Mach einen Meditationskurs.“ Da habe ich gefragt, „Wie soll ich das denn machen?“, „Ja, nimm dir das Buch „Meditation und Mantras“ und fange an, daraus zu unterrichten.“ Und, „Du hast doch selbst mal einen mitgemacht, nimm dir die Aufzeichnungen.“ Sie hat nicht gefragt, „Hast du überhaupt Aufzeichnungen?“ Dann habe ich aber gesagt, „Ich bin da nicht gut genug dafür. Ich weiß noch nicht genug. Außerdem, meditieren kann ich ja selbst nicht.“ Und dann hat mich die Zentrumsleiterin schräg angeguckt und so leicht genervt auch und hat gesagt, „Du weißt genau, es ist niemand anderes da, der jetzt unterrichten kann. Und wenn Gott gewollt hätte, dass es jemand Besseres als du unterrichtet, dann hätte er jemand anderes dort jetzt hingesetzt.“ Das also noch als kleine Anregungen. Und das sind Anregungen, die mir bis heute immer wieder gegenwärtig sind. Wenn ich auch bis heute ab und zu mal denke, diese ganzen Projekte bei Yoga Vidya und all dieses Verschiedene, das ist eigentlich über der Kapazität, was ich dort machen kann, und dann sind mir diese Sachen auch im Kopf. Eben diese zwei: Wenn Gott wollte, dass es jemand Besseres macht, hätte er jemand Besseres hingesetzt. Und er hat ja immer noch die Gelegenheit. Ich bin ja bereit, jederzeit mich irgendwo weiter zu beschränken. Und außerdem hat mir Gott diese Vision gegeben und dann muss er sich auch selbst darum kümmern, dass es vorangeht. Was nicht heißt, dass ich deshalb träge bin. Ich tue alles, was ich kann, aber eben, was ich jetzt kann. Und das muss dann auch reichen. Und dann muss man auch loslassen. Zwar gilt auch manchmal, mehr Anstrengung zu machen, aber auch da muss man loslassen und auch die richtigen Momente finden, wo man loslässt.
Damit will ich schließen, da ich merke, immer mehr Menschen haben eine immer mehr einpünktigere Konzentration auf die moderne Erfindung der Uhr. Und dann danke ich euch, dass ihr bei diesem Wochenende dabei wart und ich wünsche euch viel Kraft, das anzugehen, was ihr entweder fühlt, was ihr anzugehen habt oder was ihr angehen wollt. Dass ihr Kraft habt, durch verschiedene Hindernisse hindurchzugehen und dass ihr aber auch wisst, all diese äußeren Dinge sind eine Spielwiese, um auf dem spirituellen Weg voranzukommen und dass es letztlich nicht wirklich auf Erfolg ankommt, auch wenn es gut ist für die innere Kraft, diesen Dingen nachzugehen.
ENDE

Das ist der vorletzte Abschnitt. Noch einige wirksame Techniken der Yogakunst für „Erfolg in Leben und Selbstverwirklichung“

Und so haben wir ja zum einen einige Techniken gemacht, wo ihr euch an euer Unterbewusstsein richtet und das antwortet oft über Gefühl. Ich habe euch gesagt, stellt euch vor, das und das ist erreicht und dann spürt in euch hinein. Das Gefühl ist auch nicht immer ganz so einfach einzusortieren. Wenn da plötzlich eine Aufregung ist, weiß man nicht, heißt das, das ist jetzt das Richtige oder heißt es, da ist eine Warnung drin. Aber, wenn man das öfters mal macht, lernt man das öfters kennen und manchmal auch über Versuch und Irrtum. Und so noch über Zweifel. So ein bisschen bin ich auch darauf eingegangen. Eine Weise, mit Zweifeln umzugehen, ist, diese Gedankenkonferenz einzuberufen. Eben mal zu sagen, „O.k., ich hatte die und die Entscheidung getroffen, jetzt ziehen wir mal Zwischenbilanz.“ Und dann kann man so in sich fragen, „Wer in mir will mal sich zu Wort melden?“ Und dann aufschreiben. Und dann könnt ihr denen auch Namen geben. Sei es, Herr Zweifler oder Herr Enthusiasmus oder Frau Enthusiasmus oder mit Vornamen. Manche Menschen geben denen auch Namen, wenn sie feststellen… Also manche, die diese Technik gut finden, die stellen so fest, sie haben so zwischen sechs und zehn Leute, die sich dann typischerweise melden und die kann man sogar benennen. Sei es, indische Mythologienamen geben, sei es, sie Peter oder Hans oder Christiane nennen, sei es, dass man sie einfach nennt, Herr Zweifel oder Frau Sorge oder Herr Angst oder Herr Mut usw. Und dann kann man den anhören und kann sagen, „O.k., das hast du jetzt gesagt. Ich habe deinen Einwand zur Kenntnis genommen, ich mache es trotzdem.“ Das ist auch ein schönes Wort, „trotzdem“. „Ich danke dir, wir machen es trotzdem.“ Also nicht sagen, „Böser Zweifel, warum kommst du jetzt schon wieder. Warum habe ich wieder Zweifel?“ Denn, warum kommt der Zweifel? Zweifel meint es gut mit uns. Hat auch seine Begründung. Er kann auf Angst beruhen, kann auf anderen Überlegungen beruhen. Selbst dort kannst du sagen, der Zweifel hat auch dort eine Funktion. Er will dich irgendwie schützen vor Größenwahnsinn. Und man kann sagen, „Ja, ich danke dir für deinen Einwand, aber ich gehe es trotzdem an.“ Und letztlich kann man auch sagen, „Ich habe irgendwie die Inspiration bekommen. Eigentlich ist es unwichtig, ob ich dafür geeignet bin oder nicht. Ich habe die Inspiration bekommen, ich gehe jetzt der nach. Und wenn Gott will, dass ich es schaffe, dann wird er mir helfen. Und wenn ich nicht gut genug bin, dann muss Gott mir helfen. Und wenn Gott gewollt hätte, dass es jemand anderes macht, hätte er die Inspiration jemand anderem gegeben.“ Oder auch noch, wenn es jetzt diese Art von Zweifel ist – die hat mir auch bis zu einem gewissen Grad der Swami Vishnu mal ausgetrieben. Irgendwann mal sollte ich mit gerade zwanzig auf einer Yogalehrerausbildung unterrichten. Und da habe ich dem Swami Vishnu gesagt, „Swamiji, ich glaube nicht, dass ich dafür bereit bin.“ Und da hat er mich auch wieder so leicht schräg angeguckt und hat gesagt, „Glaubst du, du wirst jemals bereit sein, eine Yogalehrerausbildung zu geben? Stelle dir niemals vor, dass du bereit bist, eine Yogalehrerausbildung zu geben. Du stellst einfach deinen Körper zur Verfügung und bittest Gott und Meister, durch dich hindurchzuwirken. Und da spielt es überhaupt keine Rolle, ob du bereit bist oder nicht.“ Und noch ein Jahr oder zwei Jahre vorher – ich war früher ein sehr schüchterner Mensch durchaus, mit vielen Selbstzweifeln. Gut, ich habe zwar viel an mir gearbeitet, wie ihr inzwischen mitkriegt.
Fortsetzung in einer Woche.

Im Yoga sagt man, dauerhaft glücklich macht uns nur die Erkenntnis, wer wir wirklich sind, das ist Selbstverwirklichung

Dauerhaft glücklich macht uns nur die Erkenntnis, wer wir wirklich sind, die Verwirklichung, „Ich bin das Bewusstsein hinter allem.“ Und das hilft einem auch, an die ganze Sache mit ein bisschen spielerischerem Aspekt heranzugehen und dann ist die Welt mehr eine Übung in „Mensch-ärgere-dich-nicht“. Wir wollen zwar ans Ziel kommen, aber wir hängen nicht dran und wenn wir es erreicht haben, dann kommt die Frage, „What’s next?“ Wir erwarten nicht, dass das Ziel einen dauerhaft glücklich macht. Das ist nämlich manchmal auch ein Problem mit Zielen und da erzähle ich so eine Geschichte von jemandem, den ich kenne, der auch jahrelang Yoga gemacht hat, der hat mir die Geschichte von seinen Eltern erzählt. Sie hatten, seit sie sich kennen gelernt haben, geträumt, dass sie ein Haus bauen. Und sie waren aus sehr einfachen Verhältnissen und sie haben dann erstmal lange gespart. Und dann irgendwann hatten sie das Geld, um das Haus zu beginnen. Sie hatten sogar sich vorgenommen, das Haus nicht auf Kredit zu kaufen, sondern nur das, was sie haben. Jahrelang wurde in der Familie immer wieder darüber gesprochen, wie das Haus aussehen soll und was dort alles sein soll. Und es ist natürlich so gekommen, wie es kommen muss. Das Haus wurde dann fertig, als die Kinder über achtzehn waren und die ganzen Kinderzimmer waren dann irgendwie überflüssig und die Eltern waren dann furchtbar… Bis dahin war ihre Beziehung gut und die Familie war gut, aber danach waren sie todtraurig gewesen. Der Sinn ihres Lebens, ein Haus zu bauen, war erfüllt und jetzt gab es keinen weiteren Sinn. Und es war zum einen klar, dass es unsinnig gewesen war, das Haus so zu bauen, dass es fertig wird, wenn die Kinder aus dem Haus sind und dabei auch an Kinderzimmer zu denken und die Kinder wollten nicht weiter im Haus bleiben und auch nicht mit ihren Enkelkindern einziehen. Und zum anderen, so schön das Haus war, ein schönes Haus zu haben, macht nicht glücklich. Aber die Geschichte hat trotzdem ein Happy End. Nach ein paar Jahren Krise, wo sie sich beide beinahe geschieden hätten, haben sie dann irgendwo zu einer neuen Ebene ihrer Partnerschaft gefunden. Er hat mir nur erzählt, inzwischen sind seine Eltern wieder glücklich, aber vermutlich haben sie das Haus verkauft. Das wäre jetzt erstmal logisch. Aber die Tatsache, dass ihr Wunsch erfüllt war, hat sie dann in jahrelange Krisen gestürzt. Deshalb nehmt niemals an, dass die Erfüllung eines Ziels euch dauerhaft glücklich macht. Dagegen – und jetzt verbinden wir die Ziele mit der Konzentration – Ziele zu haben, konzentriert unseren Geist und konzentriert unser Bestreben und führt auch dazu, dass wir aus dem Befindlichkeitssyndrom herauskommen. Wisst ihr, was Befindlichkeitssyndrom ist? Das ist etwas, in Yogakreisen weit Verbreitetes. Man überlegt ständig, „Wie fühle ich mich?“ Es ist wichtig, das auch zu tun, es gibt andere, die hören nie auf ihre Gefühle und nie auf ihren Körper. Irgendwann mal habe ich so eine Hörsendung gehört und da hat so ein Arzt gesagt, Gesundheit ist, wenn man seinen Körper nicht spürt. Ich bin dort fast vom Fahrrad gefallen, als ich das gehört habe. Ich lade mir solche Hörsendungen auf so einen kleinen MP3-Player runter und höre die dann beim Fahrradfahren. Das ist zwar nicht ganz die yogische Achtsamkeit, aber…
Natürlich, keine Schmerzen zu spüren, aber eigentlich ist mir erstmal klar geworden, der Durchschnittsmensch spürt seinen Körper nicht, sondern er spürt ihn nur dann, wenn er krank ist. Körper ist grundsätzlich nur eine Quelle von Schmerz, ansonsten ist er besser ruhig. Natürlich, ihr wisst alle als Hatha Yogis, unser Körper ist eine Quelle für alle möglichen angenehmen Gefühle. Energiegefühle, Entspannungsgefühle, Euphoriegefühle, das kann man gar nicht alles ausdrücken, was da so alles geschieht. Aber das kann bei manchen Menschen dazu führen, dass sie dann zu sehr ständig überlegen, „Wie geht es mir? Fühle ich mich jetzt gut? Was will mir das sagen? Und was ist in diesem Gefühl drin?“ und manche versinken dann so ein bisschen in diesem Befindlichkeitssyndrom, wo sie ständig überlegen, wie geht es einem. Als ich in Amerika war, habt mir irgendjemand mal so einen dicken Wälzer geschenkt, „Encyclopaedia of Jewish humor. Enzyklopädie von jüdischem Humor.“ Es gibt eine namens Landsmann, glaube ich, in Deutschland, die hat auch solche herausgegeben. Der jüdische Humor ist ein sehr tiefsinniger gewesen. Und irgendwas war dort, irgendjemand hat sich beschwert – ich kann es nicht zu genau sagen, bei anderen kenne ich es jetzt noch genauer – dass er das und das machen muss und dass es ihm unangenehm ist. Und irgendwie hat dann der andere gesagt, „So, es ist dir unangenehm. Dann machst du es halt, wenn es dir unangenehm ist.“, „So what.“, genau, so ist es dann auf Englisch, „So you do ist and feel uncomfortable.“ Also, das ist auch eine Weise, aber nicht etwas, wie wir immer umgehen. Wenn man immer über seine Gefühle hinüberbrettert, das wäre auch der falsche Weg. Gefühle haben auch einen Sinn, aber wir dürfen auch nicht ins entgegengesetzte Syndrom fallen.
Fortsetzung folgt in einer Woche.
Niederschrift eines Mitschnittes eines Yoga und Meditation Seminar im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg mit Sukadev Bretz zum Thema „Erfolg in Leben und Selbstverwirklichung“