Verschiedene Formen von Krisen

Es gibt Krisen, die aus Partnerproblemen kommen. Die kann soweit gehen, dass sie einfach nur eine Beziehungskrise ist, kann aber auch sein, dass Partner einen verlassen hat, sei es, für jemand anderes, sei es, in höhere Welten eingegangen ist. Solche Krisen können entstehen. Arbeitsplatzverlust kann einen in eine persönliche Krise führen. Es kann eine Sinnkrise geben, es kann eine Sadhana-, eine spirituelle Praxiskrise, geben, es kann viele Krisen geben. Und manche Krisen sind eben auch verbunden mit einem bestimmten Trauerprozess und da will ich die kurz aufzeigen, auch wenn ich sage, dass ist jetzt nicht mein Hauptthema hier. Als erstes gibt es die Phase der Leugnung, dann die Phase der widerstreitenden Emotionen oder streitenden Emotionen oder wechselnden Emotionen, kann man auch sagen. Dann gibt es die Phase der Verherrlichung oder Idealisierung und dann folgt die Öffnung. Jetzt dieser Trauerprozess, nehmen wir jetzt z.B., jetzt nicht, dass jemand gestorben ist, obgleich es daran die Kübler-Ross dort genommen hat. Aber angenommen, jemand hat die Kündigung bekommen, kommt erst die Leugnung und er sagt: „Ja, die nehmen die Kündigung noch zurück. Das ist sicher ein Irrtum. Und ich werde noch mal mit meinem Chef sprechen oder ich gehe in die Personalabteilung.“ Das ist dann die Leugnung. Das nächste ist die Phase der hohen Emotionalität, wo Wut ist, Ärger ist, Verlassenheitsgefühl ist und abgrundtiefe Trauer und gleichzeitig vielleicht auch Freude und Befreiung, „jetzt bin ich diesen Job endlich los“ und im nächsten Moment abgrundtiefe Trauer, wiederum im nächsten Wut darauf, „jetzt habe ich mich so viele Jahre dafür eingesetzt und das ist jetzt der Dank dafür“. Also diese starke Emotionalitätsphase gilt als für viele Menschen wichtiger Aspekt des Trauerprozesses.

Persönliche Krisen als Möglichkeit spirituellen Wachstums Teil2

Thema soll etwa sein: Persönliche Krisen als Möglichkeiten spirituellen Wachstums. Wie erkenne ich das positive Potenzial einer persönlichen Krise und verwandle es in spirituelles Wachstum? Auf welche Weise unterstützt mich dabei die Beziehung zu einem Guru, zu einem spirituellen Meister? Wo finde ich in den Yogaschriften Hilfen? Das sind so einige der Aspekte. Und es gibt ja viele Weisen, wie wir Krisen sehen können. Weiß jemand, was Krisis auf Griechisch heißt? Es hat eine vielfältige Bedeutung und eine davon ist irgendwo Wandlung. Und da steckt schon Vieles drin. In einer Krise ist häufig die Möglichkeit zur Wandlung. Dann kann man Krisen natürlich auch sehen als psychologisch, da gibt es ja auch verschiedene psychologische Modelle. Z.B. meine Frau, die ja auch Heilpraktikerin Psychotherapie ist, die gibt auch ein Seminar, „Krise als spirituelle Wachstumschance“, für eine ganze Woche. Da ist also eine ganze Woche, wo man sich mit dem Thema beschäftigt und wo dann sehr viel der westlichen Psychologie mit hineinspielt, natürlich auch der Yogapsychologie, aber es ist ein breites Gebiet. Auf dem Gebiet will ich jetzt nicht so viel sagen. Es gibt vielleicht eines, was manchmal hilfreich ist. Es gibt ja eine Psychologin namens Verena Kast. Manche von euch haben vielleicht von ihr gehört, so eine jungsche Psychologin, die so eine schöne Weise hat, letztlich Psychologie auch spirituell zu sehen, ohne das Wort „Gott“ zu gebrauchen. Auch eine gewisse Fähigkeit, die man haben muss. Und sie nimmt da Bezug in so einer Vortragsreihe, die ich mal gehört habe, letztlich auf ein Trauermodell und überträgt das Trauermodell von der Elisabeth Kübler-Ross in Krise allgemein. Elisabeth Kübler-Ross hat ja viel über Sterben geschrieben, ist ja auch, ich glaube, letztes Jahr ist sie verstorben, und sie hat über Reinkarnation auch geschrieben, war überzeugt davon, dass der Mensch wiedergeboren wird. Aber sie hat vor allen Dingen auch die Hospizbewegung ins Leben gerufen oder ihr mindestens starke Impulse gegeben und sie hat auch beobachtet, durch welche Prozesse Trauernde hindurchgehen. Und das kann einem auch helfen bei jeder Krise, in der man ist, insbesondere Krisen, die ausgelöst werden, dadurch, dass irgendetwas Altes aufhört und was Neues beginnen soll.

Die Yogis sagen, „du bist Wonne, du bist Wonne, kosmische Wonne bist du“

Wir finden das ja auch bei Jesus. Jesus hatte ja auch das Gegenteil von einem leichten Leben. Es ist ja Ostern nicht allzu lange hinter uns, also Karfreitag. Und auch er hat mit Gott zwischendurch gehadert. „Vater, lass diesen Kelch an mir vorüberziehen. Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ In einem Evangelium sind das sogar seine letzten Worte vor seiner Kreuzigung. Nicht in allen. Also, auch das. Dennoch, wenn wir in allen schwierigen Situationen Freude zeigen können oder auch immer wieder aus der Freude heraus handeln, auch aus menschlicher Zerrissenheit wieder zurückkommen, dann haben wir ein reiches Leben gelebt. Und auch hier, diese Geschichten von Rama, von Krishna, von Jesus, die können uns auch eben von falschen Vorstellungen befreien, nämlich der falschen Vorstellung, wenn wir alles richtig machen, dann wird es uns immer gut gehen. Wenn wir krank werden, haben wir was falsch gemacht. Wenn wir einen Unfall bauen, haben wir was falsch gemacht usw. Gut, wir können was falsch gemacht haben, wenn wir krank sind. Also, wer jeden Tag vierzig Zigaretten raucht und sechs Glas Bier trinkt und jeden Tag ein Kilogramm Schweinebraten mit Pommes frites isst, da hat man tatsächlich etwas falsch gemacht, wenn man dann nachher krank wird. Aber Krankheiten kommen auch, wenn man alles richtig macht. Weniger, aber sie können auch kommen. Und Katastrophen geschehen. Sonst würden wir nämlich sagen, dass Jesus, Krishna und Rama ihr Leben falsch geführt haben. Was vermessen wäre. So können wir auch als Mensch in unserer Unvollkommenheit Trost daraus schöpfen. Und obgleich Katastrophen zum Leben dazu gehören, endet es mit „Anandoham, Anandoham, Anandambrahmsnandam“. Das heißt: „Ich bin Wonne, ich bin Wonne, kosmische Wonne bin ich.“ Und dort komme ich wieder auf das Bild zurück, was ich am Anfang der Meditation hatte: Im Auge eines Zyklons ist es ruhig. Und so auch, auf der körperlichen Ebene, auf der emotionalen Ebene, auf dem äußeren Leben, dort geht es manchmal sehr stürmisch zu und da wachsen wir durch Krisen und vieles andere. Aber etwas tief im Inneren bleibt gleich und das ist unsere wahre Natur und in dieser wahren Natur finden wir Ananda, Wonne.

Hilfreich beim beten und in der Meditation könnte sein, wenn du eine Gesamtheit aller Götter in deinem Bewußtsein hast

Und zum Swami Vishnu habe ich dann auch noch mal eine besondere Beziehung. Und den frage ich bei anderen Sachen um Rat. Also, ich habe so, Swami Sivananda, den frage ich bestimmte Dinge, Swami Vishnu frage ich bestimmte Dinge, dann habe ich Gott als abstraktes Prinzip, den frage ich um bestimmte Dinge. Dann manchmal frage ich auch Jesus selbst, manchmal dann auch noch Shiva und Krishna. So habe ich irgendwo so ein Pantheon, im Bewusstsein, es ist letztlich alles nur eine Manifestation einer höchsten Wahrheit. Nicht dass ihr denkt, ich will euch jetzt Polytheismus lehren, sondern ich meine, die menschliche Psyche ist komplex und deshalb ist auch ein Gottesbild, um dieser Psyche gerecht zu werden, entweder extrem einfach, transzendiert alles, oder umfassend, komplex und vielleicht auch widersprüchlich. Und so kann man sich wenden an einen Meister, an eine Meisterin, man kann sich auch direkt an Gott, an das höhere Selbst wenden oder wo auch immer man will. Aber es ist gut, sich dort hin zu wenden und ob das jetzt tatsächlich der Meister ist, der einem antwortet, oder das höhere Selbst oder Gott, ist letztlich irrelevant. Die Antworten kommen. Shri Ram, Jaya Ram. Ram heißt Freude, Rama steht aber auch für Ethik. Und das ist auch wichtig, dass in, was auch immer wir tun, wir ethisch handeln. Und Rama steht auch für Verantwortung. Rama gilt auch als eine Inkarnation Gottes, der eben diese Freude gelebt hat, aber kein einfaches Leben hatte. Das ist auch das Interessante, die großen Inkarnationen, die man in Indien verehrt, die eigentlich für Freude stehen, eben Rama und Krishna, die hatten mit das allerschwierigste Leben, das man sich vorstellen kann. Rama ist ins Exil geschickt worden. Er musste sein Zuhause verlassen. Er ist als Königssohn aufgewachsen und dann musste er im Wald ganz einfach leben. Dann ist ihm seine geliebte Frau entführt worden. Viele Jahre war er vergeblich auf der Suche. Zwar heißt Rama, derjenige, der sich freut, aber in der Zeit war er nicht froh, sondern im Gegenteil, als er getrennt war von der Sita, die Ramayana ist dann zum Teil ganz plastisch, wie Rama sich die Haare rauft und wie er geweint hat und geklagt hat und Tränen geflossen sind. Es ist tröstlich, dass selbst, wenn Gott sich inkarniert, kann er leiden.