41 Umgang mit Ungerechtigkeit und Ohnmacht

Sukadev spricht darüber, wie Ungerechtigkeit, Leiden und eigene Ohnmacht ihn an Gott und der Welt verzweifeln ließen. Zweiter autobiografischer Teil der Gelassenheits-Podcast-Serie. Und er beschreibt, wie er dabei gelernt hat, seine eigene Gefühlsreaktionen abzuschalten – und sich zurückzuziehen.

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41. Folge des

Ein Yoga Meister sollte alle Kriterien der Vollkommenheit erfüllen

Daher ist es gut, seinem Leben einen tieferen Sinn zu geben. Und da sind natürlich die guten Hilfen, spirituelle Bücher zu lesen, hier in den Satsang zu gehen, zu Vorträgen von spirituellen Meistern zu gehen, über Gott zu lesen usw. Denn diese tiefe spirituelle Verankerung, die gibt dem Leben einen Sinn, vor dessen Hintergrund jede Krise ihren Sinn hat. Jetzt gibt es auch Möglichkeiten, wie selbst dieser spirituelle Sinn erschüttert werden kann. Und auch das ist wiederum, wenn man Spiritualität eng fasst. Z.B. angenommen, ihr bringt all euren spirituellen Sinn in einen einzigen Meister. Ihr seid überzeugt, der Meister ist vollkommen. „Durch seine Gnade alleine komme ich zur höchsten Vollkommenheit.“ Und insbesondere wenn er noch lebt, habt ihr ein Problem. Wann nämlich? Wenn der sich als nicht ganz so vollkommen herausstellt, wie man ihn vielleicht gemacht hat. Passiert gar nicht so selten. Weshalb zum einen in den alten Schriften, dort gilt, man muss darauf achten, erfüllt ein Meister, der sich vollkommen nennt, wirklich alle Kriterien der Vollkommenheit? Deshalb gibt Krishna in der Bhagavad Gita so viele Kennzeichen eines Vollkommenen. Das ist ein Aspekt. Und dann kann man sagen, dann gibt es Meister, die so vollkommen sind, da kann man wirklich das Vertrauen hineinsetzen und es wird nicht erschüttert. Aber es ist gar nicht so selten in den letzten Jahrzehnten, zwanzig, dreißig Jahren, dass Meister, die als vollkommen dort bezeichnet wurden, doch sehr menschliche Schwächen hatten. Und relativ häufig hatten sie sich selbst gar nicht als so vollkommen angesehen, sondern waren im Gegenteil in ihren Vorträgen recht bescheiden, nur ihre Schüler haben sie hoffnungslos in den Himmel gehoben. Und so sollte man diesen spirituellen Sinn nicht beschränken nur auf einen einzigen Menschen. Ihr dürft mich nicht falsch verstehen. Ich hatte vorher gesagt, zu einem spirituellen Lehrer sich zu richten, ist eine gute Sache, um Rat zu bitten. Im Rahmen der Jaya-Ganesha-Erklärungen habe ich ja von der Warte vieles erzählt. Das ist eine Weise, wie der spirituelle Sinn von Menschen erschüttert werden kann. Aber es ist auch, weil man ihn beschränkt hat auf einen konkreten Menschen. Eine zweite Weise ist auch, wenn man den spirituellen Sinn mit zu vielen Vorurteilen beschränkt, wie er zu sein hat, wie die eigene Entwicklung zu sein hat, wie man selbst zu sein hat. Oder z.B., dass man nie krank werden darf usw. Also, wenn man ihn so beschränkt, dann werden letztlich die Krisen kommen, die zu einer Sinnkrise führen, und selbst eine Sinnkrise ist letztlich etwas Positives. Eine Sinnkrise kann einem helfen, einen zu eng gefassten Sinn weiter zu fassen. Und von daher haben selbst Sinnkrisen ihren Sinn, wenn man sie von einem höheren Sinn aus sieht. Jetzt habe ich zwar sicherlich einen Kantschen Zirkelschluss gemacht, kein philosophisch korrektes Argument, aber ich meine, ein psychologisch korrektes Argument und eines, was vom Spirituellen her man so sehen kann und was sicher auch von Viktor Frankl eben so auch gesehen wurde, wo er sagte, die einzigen wirklichen Krisen im Menschen sind Sinnkrisen und die Sinnkrisen haben den Sinn, dass der Mensch sich zu einem umfassenderen, einem höheren Sinn öffnen kann. Und wenn wir das so sehen und einen Sinn in einer Sinnkrise sehen, dass wir die Art, wie wir Sinn definieren, erweitern, vielleicht, da ich ja jetzt annehme, ihr seid hier zu einem spirituellen Vortrag gekommen, weil ihr selbst mindestens spirituell Suchende seid. Wenn man als spirituell Suchender eine Sinnkrise hat, gilt es, den spirituellen Sinn weiter zu fassen. Vielleicht habt ihr ihn irgendwo zu eng gesehen. Und wenn die Krise keine Sinnkrise ist, dann könnt ihr über spirituellem Sinn dieser Krise den Sinn geben und dann ist Krise das, was als Wandlung bezeichnet wird, als Neuerung, als Öffnung für einen neuen Schritt des Lebens, der persönlichen Entwicklung oder wir können sagen, zur Befreiung hin, um neue Kräfte und Fähigkeiten in sich zu entfalten, neue Erfahrungen zu machen und neue Weisen zu finden, anderen zu dienen.

Neue Fähigkeiten entwickeln, und durch Erfahrungen lernen mit der Praxis von Yoga und Meditation

Und da gilt es, dafür offen zu sein. Statt bestimmten Fähigkeiten vielleicht nachzutrauern, sollte man schauen, welche andere werden gefordert und entwickeln sich. Eine dritte ist, eben Erfahrungen zu machen, und wir können über jede Erfahrung lernen. Und ich schreibe jetzt doch noch die vierte dort hin. Ein vierter Sinn des Lebens ist auch, anderen dienen. Man kann auch sagen, eine Mission im Leben zu erfüllen, kleinere und größere. Und all das, wenn man das von diesem Standpunkt aus sieht, dann, Kinder großzuziehen, ist etwas Großartiges dort. Es fordert Mütter und Väter immer wieder von neuem heraus und bringt auch Mütter und Väter immer wieder aus ihrer Komfortzone heraus. Ich glaube, ihr versteht das. Sie bringen einen auch aus dem Versuch eines gemütlichen Daseins heraus. In den ersten Jahren sowieso und vermutlich in der Teenagerzeit auch wieder und auch bestimmte Verhaftungen an vorgefasste Ideen und Vorstellungen usw. verschwinden. Im Ashram in Bad Meinberg werden immer wieder neue Kinder geboren und manchmal spreche ich mit den Eltern so vorher, dann erzählen sie mir so, wie sie das mit der Kindererziehung machen und wie das so geht und wie man das alles arrangiert und wie das alles so klappen wird. Und diejenigen von euch, die eigene Kinder haben, wissen, es kommt immer anders. Und das ist gut so, das hilft der Befreiung. Da sollte man als yogische werdende Eltern oder neue Eltern oder yogische Eltern nicht denken, man könnte sich doch besser entwickeln, wenn nur die Kinder anders wären. „Meine Kinder halten mich vom Yoga ab.“ Vielleicht halten sie einen ab davon, länger zu meditieren und vielleicht sogar zu schlafen, mindestens im ersten Lebensjahr und manchmal auch später. Aber all das hilft auch der Befreiung und als solches kann man es sehen. Sie helfen einem, neue Kräfte zu entfalten, Fähigkeiten zu entfalten. Wie oft habe ich es erlebt, dass Mitarbeiter im Ashram gesagt haben, sie brauchen ihre sieben Stunden Schlaf und sie brauchen ihren geregelten Tag, ansonsten ginge das nicht. Die beste Weise, diese Vorstellungen zu überwinden und wirklich zu sehen, was man alles kann und mit wie wenig Schlaf man eine gewisse Zeit auskommt, ist, Mutter zu werden. Da kommen neue Kräfte. Gut, manchmal kommt auch, die Kräfte zu entfalten, einfach loszulassen und kaputt zu sein. Auch das ist eine gewisse Fähigkeit. Man macht verschiedene Erfahrungen. Und natürlich, man dient den Kindern und hilft diesen Seelen, in diese Welt hineinzukommen. Und wenn die Kinder aus dem Haus gehen, anstatt zu einer Krise, kann man auch daran wachsen. Man lernt, etwas mehr loszulassen. Obgleich vermutlich eine vollständige Vairagya gegenüber dem eigenen Kind – ich weiß nicht, ob so was möglich ist. Ich weiß nicht, ob so was wünschenswert ist. Aber hier heißt Vairagya eben eher, nicht denken, „es ist mein Kind“, sondern, „eine Seele inkarniert sich und ich habe eine gewisse Aufgabe und unsere Beziehung ist eine besondere“. Und nicht, „ich bestimme über mein Kind“, sondern, „mein Kind kommt auch mit einem bestimmten Karma, mit einem bestimmten Dharma“. Und manchmal entwickeln sich ja Kinder so ganz anders, als die Eltern denken. Und relativ häufig denken sie: „Mein Kind müsste doch nur machen, was ich sage, und dann würde es glücklicher werden.“ Aber Kinder, insbesondere Jugendliche, machen das oft nicht. Hier gilt es auch wieder, loszulassen. Auch das ist eine besondere Fähigkeit, Menschen ihren eigenen Lebensweg gehen zu lassen, der auch Leiden beinhaltet. Das ist ja manchmal das Allerschwierigste. „Wenn du nur glücklich wärst, dann wäre doch alles ok, aber ich sehe doch, du bist unglücklich. Deshalb rate ich dir ja.“ Und wenn eure Eltern euch was raten – kein Elternteil macht das, um euch zu ärgern. Morgen ist ja Muttertag. Mit meiner Mutter telefoniere ich jede Woche, vermutlich fast eine Stunde die Woche verbringe ich irgendwo… Ich verbinde das immer mit Fahrradfahren und Telefonieren – gelobt sei Handy und Flatrate. Ich hoffe, ihr seid nicht schockiert, dass Sukadev auch Multitasking dort macht. Es gibt auch Momente, wo ich einfach die Natur genieße. Und ich führe keine Gespräch, ohne dass sie mir nicht irgendetwas rät. Und es gab Phasen, wo ich mich darüber geärgert habe, was meine Mutter mir geraten hat. Aber inzwischen sehe ich das als Ausdruck ihrer Liebe und sehe auch, oft machen ihre Ratschläge ja auch Sinn. Das heißt, manchmal denke ich auch, sie machen keinen Sinn, aber ich weiß auch, es ist unsinnig, seiner eigenen Mutter zu widersprechen, denn sie meint es ja gut und dann will sie natürlich ihren Sohn irgendwo dazu bringen, das einzusehen. Also nehme ich das an, sehe es als Ausdruck der Liebe und irgendwo ist das schön und oft gibt sie mir dann sehr wertvolle Hinweise.

Krisen als Wachstum, Sinnfindung durch Yoga Teil 3

Jetzt habe ich einen bestimmten Aspekt von Krisen beleuchtet und vielleicht ist es sogar der wichtigste Aspekt, wie ich meine. Ich könnte noch von so vielen anderen Aspekten erzählen und es gibt ja auch gute Gründe, weshalb die Shivakami eine ganze Woche mit diesem Thema verbringt und mir dann immer sagt, eigentlich müssten wir damit einen Monat verbringen, um wirklich von allen Aspekten und auch mit praktischen Übungen verbinden und mit vielem anderen. Aber es gab einen westlichen Psychologen, den Viktor Frankl, der die Logotherapie entwickelt hat. „Logos“ hat er verstanden im Sinne von „Sinn“. Der griechische Ausdruck „logos“ hat ja verschiedene Bedeutungen und einer ist eben der Sinn. Und er hat dort gesagt, wenn Menschen einen Sinn in ihrem Leben sehen, dann sind sie bereit, nahezu alles dafür zu tun. Und außerdem ist es auch so, dass sie mit allem fertig werden. Wer in seinem Leben einen Sinn sieht, kann mit allem fertig werden. Und damit ist natürlich die schlimmste Krise welche Krise? Die Sinnkrise. Und Sinnkrisen können dann kommen, wenn man den Sinn seines Lebens sehr eng gefasst hat. Wenn man eben z.B. den Sinn seines Lebens sieht, eine Firma aufzubauen. Und dann geht die Firma Bankrott. Was ist dann der Sinn des Lebens? Oder man hat den Sinn des Lebens darin gesehen, eine Firma aufzubauen und irgendwann stellt man diesen Sinn in Frage. Wenn man sich überlegt: „Was hat das jetzt eigentlich für einen Sinn gehabt, dass ich vierzig Jahre meines Lebens oder zwanzig oder dreißig Jahre meines Lebens vierzehn Stunden am Tag gearbeitet habe?“ Oder angenommen, man hat den Sinn seines Lebens gesehen, nur für die Kinder da zu sein. Wann gibt es dann ein Problem? Wenn sie ausziehen. Und zum einen natürlich, Sinn des Lebens, für die Kinder da zu sein, meistens ist der nicht so bedingungslos, sondern z.B., den Kindern ein besseres Leben zu geben, als man selbst hatte. Oder irgendwo: „Genauso gut zu sein, wie meine Eltern zu mir waren.“ Aber ich glaube, die moderne Generation will immer den nächsten ein besseres Leben geben. Wenn das der einzige und der Hauptsinn ist, und nachher entwickeln sich die Kinder anders. Wenn man nämlich den Sinn darin sieht, den Kindern ein besseres Leben zu geben, dann hat man ja oft konkrete Vorstellungen, was ist ein besseres Leben? Und dann anschließend entwickeln sich die Kinder anders, als man denkt. Dann ist plötzlich eine Sinnkrise da. Oder die Kinder sind undankbar. Dann ist eine Sinnkrise da. Oder wenn es der Sinn ist – ihr könnt euch noch verschiedenes andere denken. Jetzt will ich nicht behaupten, dass es sinnlos wäre und dass kein Sinn darin wäre. Nein. Vor kurzem war ja ein spiritueller Freund von mir, der Shanmuk, letztes Wochenende in Bad Meinberg gewesen und er ist auch so einer, der sich für Psychologie interessiert, auch noch mal vor kurzem sein Diplom in Psychologie gemacht hat oder Bachelor nennt sich das in England und der empirischen Psychologie dort irgendwo verpflichtet ist und er hat irgendwo gesagt, Partnerschaften halten länger, wenn sie ein gemeinsames Ziel haben. Sei es, eine gemeinsame Firma oder das Projekt, die Kinder großzuziehen. Wenn das ein wichtiger Sinn ist, hält die einfach länger. Was nicht heißt, dass die anderen zu Bruch gehen, aber es ist einer der vielen Faktoren, die sich langfristig beziehungsfördernd dort gezeigt haben. Vor kurzem habe ich noch mal auf einer anderen Reise, ich glaube, als ich in den Westerwald gefahren bin, so einen Podcast, eine Hörsendung gehört. Da wurden dreißig empirische Faktoren aufgezählt, die die Dauer von Beziehungen begünstigen. Aber sie sind alle nur begünstigend. Aber das sind alles vorübergehende Sinne im Leben. Es ist durchaus gut, wenn man sich einen höheren Sinn im Leben sucht, wo diese anderen Sinne mit einbezogen sind. Und das ist eben ein Grund, weshalb ich dort auf diesen spirituellen Aspekt der Sinnfindung so viel Zeit verbracht habe. Wenn wir im Leben einen höheren Sinn sehen, nämlich den einen Sinn, wir wollen zum Höchsten kommen und wir gehen davon aus, was auch immer geschieht und was auch immer wir tun, hilft auch dafür. Wenn der zweite Sinn im Leben ist, der irgendwo vielleicht dem untergeordnet ist, unsere Fähigkeiten und Kräfte zu entfalten, und wir davon überzeugt sind, was auch immer kommt, will uns helfen, neue Fähigkeiten und Kräfte zu entfalten, das schafft auch jede Herausforderung im Leben. Übrigens auch dazu gehört, neue Kräfte zu entfalten, denn manchmal verliert man auch die ein oder andere Kraft. Und wenn wir ins fünfte oder sechste oder siebte Lebensjahrzehnt kommen, dann, bestimmte geistige Fähigkeiten werden etwas weniger, bestimmte körperliche Fähigkeiten werden auch weniger. Wir sehen es zwar, z.B. so einer wie Patabijoys, ich glaube, der ist über neunzig inzwischen. Und der kann immer noch alle möglichen fortgeschrittenen Asanas. Aber irgendwo in einem Interview von Iyengar habe ich gelesen, wo er gesagt hat, er würde langsam auch steif werden. Der war dann zwar abgebildet in seinem einundachtzigsten Lebensjahr, wie er noch platt wie eine Flunder auf seinen Beinen ist, aber er sagte, er würde auch langsam steif werden. Das ist alles relativ. Ok, also bestimmte Fähigkeiten werden weniger, aber andere werden mehr.

Verschiedene Formen von Krisen

Es gibt Krisen, die aus Partnerproblemen kommen. Die kann soweit gehen, dass sie einfach nur eine Beziehungskrise ist, kann aber auch sein, dass Partner einen verlassen hat, sei es, für jemand anderes, sei es, in höhere Welten eingegangen ist. Solche Krisen können entstehen. Arbeitsplatzverlust kann einen in eine persönliche Krise führen. Es kann eine Sinnkrise geben, es kann eine Sadhana-, eine spirituelle Praxiskrise, geben, es kann viele Krisen geben. Und manche Krisen sind eben auch verbunden mit einem bestimmten Trauerprozess und da will ich die kurz aufzeigen, auch wenn ich sage, dass ist jetzt nicht mein Hauptthema hier. Als erstes gibt es die Phase der Leugnung, dann die Phase der widerstreitenden Emotionen oder streitenden Emotionen oder wechselnden Emotionen, kann man auch sagen. Dann gibt es die Phase der Verherrlichung oder Idealisierung und dann folgt die Öffnung. Jetzt dieser Trauerprozess, nehmen wir jetzt z.B., jetzt nicht, dass jemand gestorben ist, obgleich es daran die Kübler-Ross dort genommen hat. Aber angenommen, jemand hat die Kündigung bekommen, kommt erst die Leugnung und er sagt: „Ja, die nehmen die Kündigung noch zurück. Das ist sicher ein Irrtum. Und ich werde noch mal mit meinem Chef sprechen oder ich gehe in die Personalabteilung.“ Das ist dann die Leugnung. Das nächste ist die Phase der hohen Emotionalität, wo Wut ist, Ärger ist, Verlassenheitsgefühl ist und abgrundtiefe Trauer und gleichzeitig vielleicht auch Freude und Befreiung, „jetzt bin ich diesen Job endlich los“ und im nächsten Moment abgrundtiefe Trauer, wiederum im nächsten Wut darauf, „jetzt habe ich mich so viele Jahre dafür eingesetzt und das ist jetzt der Dank dafür“. Also diese starke Emotionalitätsphase gilt als für viele Menschen wichtiger Aspekt des Trauerprozesses.

Persönliche Krisen als Möglichkeit spirituellen Wachstums Teil2

Thema soll etwa sein: Persönliche Krisen als Möglichkeiten spirituellen Wachstums. Wie erkenne ich das positive Potenzial einer persönlichen Krise und verwandle es in spirituelles Wachstum? Auf welche Weise unterstützt mich dabei die Beziehung zu einem Guru, zu einem spirituellen Meister? Wo finde ich in den Yogaschriften Hilfen? Das sind so einige der Aspekte. Und es gibt ja viele Weisen, wie wir Krisen sehen können. Weiß jemand, was Krisis auf Griechisch heißt? Es hat eine vielfältige Bedeutung und eine davon ist irgendwo Wandlung. Und da steckt schon Vieles drin. In einer Krise ist häufig die Möglichkeit zur Wandlung. Dann kann man Krisen natürlich auch sehen als psychologisch, da gibt es ja auch verschiedene psychologische Modelle. Z.B. meine Frau, die ja auch Heilpraktikerin Psychotherapie ist, die gibt auch ein Seminar, „Krise als spirituelle Wachstumschance“, für eine ganze Woche. Da ist also eine ganze Woche, wo man sich mit dem Thema beschäftigt und wo dann sehr viel der westlichen Psychologie mit hineinspielt, natürlich auch der Yogapsychologie, aber es ist ein breites Gebiet. Auf dem Gebiet will ich jetzt nicht so viel sagen. Es gibt vielleicht eines, was manchmal hilfreich ist. Es gibt ja eine Psychologin namens Verena Kast. Manche von euch haben vielleicht von ihr gehört, so eine jungsche Psychologin, die so eine schöne Weise hat, letztlich Psychologie auch spirituell zu sehen, ohne das Wort „Gott“ zu gebrauchen. Auch eine gewisse Fähigkeit, die man haben muss. Und sie nimmt da Bezug in so einer Vortragsreihe, die ich mal gehört habe, letztlich auf ein Trauermodell und überträgt das Trauermodell von der Elisabeth Kübler-Ross in Krise allgemein. Elisabeth Kübler-Ross hat ja viel über Sterben geschrieben, ist ja auch, ich glaube, letztes Jahr ist sie verstorben, und sie hat über Reinkarnation auch geschrieben, war überzeugt davon, dass der Mensch wiedergeboren wird. Aber sie hat vor allen Dingen auch die Hospizbewegung ins Leben gerufen oder ihr mindestens starke Impulse gegeben und sie hat auch beobachtet, durch welche Prozesse Trauernde hindurchgehen. Und das kann einem auch helfen bei jeder Krise, in der man ist, insbesondere Krisen, die ausgelöst werden, dadurch, dass irgendetwas Altes aufhört und was Neues beginnen soll.

Die Yogis sagen, „du bist Wonne, du bist Wonne, kosmische Wonne bist du“

Wir finden das ja auch bei Jesus. Jesus hatte ja auch das Gegenteil von einem leichten Leben. Es ist ja Ostern nicht allzu lange hinter uns, also Karfreitag. Und auch er hat mit Gott zwischendurch gehadert. „Vater, lass diesen Kelch an mir vorüberziehen. Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ In einem Evangelium sind das sogar seine letzten Worte vor seiner Kreuzigung. Nicht in allen. Also, auch das. Dennoch, wenn wir in allen schwierigen Situationen Freude zeigen können oder auch immer wieder aus der Freude heraus handeln, auch aus menschlicher Zerrissenheit wieder zurückkommen, dann haben wir ein reiches Leben gelebt. Und auch hier, diese Geschichten von Rama, von Krishna, von Jesus, die können uns auch eben von falschen Vorstellungen befreien, nämlich der falschen Vorstellung, wenn wir alles richtig machen, dann wird es uns immer gut gehen. Wenn wir krank werden, haben wir was falsch gemacht. Wenn wir einen Unfall bauen, haben wir was falsch gemacht usw. Gut, wir können was falsch gemacht haben, wenn wir krank sind. Also, wer jeden Tag vierzig Zigaretten raucht und sechs Glas Bier trinkt und jeden Tag ein Kilogramm Schweinebraten mit Pommes frites isst, da hat man tatsächlich etwas falsch gemacht, wenn man dann nachher krank wird. Aber Krankheiten kommen auch, wenn man alles richtig macht. Weniger, aber sie können auch kommen. Und Katastrophen geschehen. Sonst würden wir nämlich sagen, dass Jesus, Krishna und Rama ihr Leben falsch geführt haben. Was vermessen wäre. So können wir auch als Mensch in unserer Unvollkommenheit Trost daraus schöpfen. Und obgleich Katastrophen zum Leben dazu gehören, endet es mit „Anandoham, Anandoham, Anandambrahmsnandam“. Das heißt: „Ich bin Wonne, ich bin Wonne, kosmische Wonne bin ich.“ Und dort komme ich wieder auf das Bild zurück, was ich am Anfang der Meditation hatte: Im Auge eines Zyklons ist es ruhig. Und so auch, auf der körperlichen Ebene, auf der emotionalen Ebene, auf dem äußeren Leben, dort geht es manchmal sehr stürmisch zu und da wachsen wir durch Krisen und vieles andere. Aber etwas tief im Inneren bleibt gleich und das ist unsere wahre Natur und in dieser wahren Natur finden wir Ananda, Wonne.

Hilfreich beim beten und in der Meditation könnte sein, wenn du eine Gesamtheit aller Götter in deinem Bewußtsein hast

Und zum Swami Vishnu habe ich dann auch noch mal eine besondere Beziehung. Und den frage ich bei anderen Sachen um Rat. Also, ich habe so, Swami Sivananda, den frage ich bestimmte Dinge, Swami Vishnu frage ich bestimmte Dinge, dann habe ich Gott als abstraktes Prinzip, den frage ich um bestimmte Dinge. Dann manchmal frage ich auch Jesus selbst, manchmal dann auch noch Shiva und Krishna. So habe ich irgendwo so ein Pantheon, im Bewusstsein, es ist letztlich alles nur eine Manifestation einer höchsten Wahrheit. Nicht dass ihr denkt, ich will euch jetzt Polytheismus lehren, sondern ich meine, die menschliche Psyche ist komplex und deshalb ist auch ein Gottesbild, um dieser Psyche gerecht zu werden, entweder extrem einfach, transzendiert alles, oder umfassend, komplex und vielleicht auch widersprüchlich. Und so kann man sich wenden an einen Meister, an eine Meisterin, man kann sich auch direkt an Gott, an das höhere Selbst wenden oder wo auch immer man will. Aber es ist gut, sich dort hin zu wenden und ob das jetzt tatsächlich der Meister ist, der einem antwortet, oder das höhere Selbst oder Gott, ist letztlich irrelevant. Die Antworten kommen. Shri Ram, Jaya Ram. Ram heißt Freude, Rama steht aber auch für Ethik. Und das ist auch wichtig, dass in, was auch immer wir tun, wir ethisch handeln. Und Rama steht auch für Verantwortung. Rama gilt auch als eine Inkarnation Gottes, der eben diese Freude gelebt hat, aber kein einfaches Leben hatte. Das ist auch das Interessante, die großen Inkarnationen, die man in Indien verehrt, die eigentlich für Freude stehen, eben Rama und Krishna, die hatten mit das allerschwierigste Leben, das man sich vorstellen kann. Rama ist ins Exil geschickt worden. Er musste sein Zuhause verlassen. Er ist als Königssohn aufgewachsen und dann musste er im Wald ganz einfach leben. Dann ist ihm seine geliebte Frau entführt worden. Viele Jahre war er vergeblich auf der Suche. Zwar heißt Rama, derjenige, der sich freut, aber in der Zeit war er nicht froh, sondern im Gegenteil, als er getrennt war von der Sita, die Ramayana ist dann zum Teil ganz plastisch, wie Rama sich die Haare rauft und wie er geweint hat und geklagt hat und Tränen geflossen sind. Es ist tröstlich, dass selbst, wenn Gott sich inkarniert, kann er leiden.

Im Yoga, wir wenden uns an die Meister und bitten um spirituelle Führung

Dann wenden wir uns – Om Namo Bhagavate Sivanandaya, Om Namo Bhagavate Vishnudevanandaya – richten wir uns besonders an unsere Meister, Swami Sivananda, Swami Vishnudevananda oder wer auch immer euer Meister, eure Meisterin ist. Zwar kann man sagen, man kann sich direkt an sein höheres Selbst wenden, wie wir das bei dem Chid Guru, Chinmaya Guru getan haben. Wir können uns auch direkt an Gott wenden, an Vasudeva, das Licht aller Geschöpfe, auch das transzendente Licht. Aber oft fällt es Menschen leichter, sich irgendwo an einen konkreten, entweder Aspekt Gottes zu wenden, oder an einen Meister zu wenden. So gibt es dann ja auch im Christentum die Dreifaltigkeit, Gottvater, Gottsohn, Gott Heiliger Geist. Da gibt es bis heute theoretische Auseinandersetzungen, was das eigentlich heißt, und es gab viele Kriege darum, um herauszufinden, was das heißt. Aber es ist irgendwo psychologisch und spirituell ein hilfreiches Konzept. Jesus, den kann man sich vorstellen, an den kann man sich wenden. Und die meisten Christen beten ja auch zu Jesus, auch wenn es heißt: „Vater unser im Himmel.“ Heiliger Geist, Vater, hat dann auch eine Funktion, aber Jesus ist irgendwo etwas konkreter. Und das ist jetzt eine Trinität, wo alles letztlich ein Aspekt Gottes ist. Die Katholiken… Ich weiß nicht, ist Karlsruhe jetzt katholisch oder evangelisch? Evangelisch, glaube ich, oder? Beides. Mischgegend. Wo ich eigentlich herkomme, ich komme aus einer Mischgegend. Lippe ist allerdings sehr evangelisch, reformiert. Calvinia dieses Jahr. Katholiken haben dann auch die Heiligen, an die sie sich wenden können. Und das ist manchmal auch nochmal einfacher. Von denen hat man eine Geschichte. Viele von den Heiligen haben auch menschliche Probleme gehabt, sind durch viele Schwierigkeiten durchgegangen. Da kann man irgendwo sich auf sie beziehen. Wenn man natürlich evangelisch aufgewachsen ist, so wie ich, hat man da erst ein weltanschauliches Problem damit, denn, gerade wer tatsächlich noch im klassischen Sinne dort religiöse evangelische Erziehung genossen hat, da wurde ja ständig geschimpft über die komischen Katholiken mit ihren Heiligen und Maria usw. Man soll sich doch direkt an Gott wenden, statt an diese Menschen. In Indien ist es ähnlich. Im Yoga, wir wenden uns an die Meister. Selbst wenn sie nicht mehr im physischen Körper sind, können sie uns dennoch weiter spirituell führen. Und so ist es meine Erfahrung , dass ich mich an Swami Sivananda wenden kann und dann gibt er mir sogar ganz konkrete Zeichen. Ich habe da auch manchmal so eine Beziehung zu Swami Sivananda, dass ich ihm konkret sage: „Was sollen wir tun?“ Und dann sage ich auch manchmal: „Bis dann und dann muss das und das passieren.“ Irgendwann letztes Jahr ging es ja mit dem Ashram an Nord- und Ostsee, da haben wir ja drei Jahre – nicht wir – Keshava hat hauptsächlich gesucht, aber mich hat er auch öfters mit dorthin genommen. Und dann irgendwann haben wir so gesagt, jetzt sagen wir dem Sivananda, bis Ende August muss unterzeichnet sein, ansonsten wird die Suche nach einem Ashram am Meer abgebrochen. Und plötzlich kam ein Haus, das wir vorher gar nicht hatten, und es ging alles ganz schnell und sogar vor dem 31. August wurde unterzeichnet. Oder wir haben ja jetzt gerade diesen Kaufvertrag für das Projekt Shanti dort unterzeichnet und es ist ja auch gerade Wirtschaftskrise, es ist auch Finanzkrise, und wir hatten auch gerade im April so irgendwo eine Delle in unseren Anmeldungen. Eine ausgesprochen schwierige Zeit, um jetzt dort eine Verdoppelung der Yoga Vidya Ashramflächen dort zu haben. Auch wenn der Kaufpreis in der Höhe eines Zweifamilienhauses irgendwo war, aber die Renovierungen sind ja erheblich mehr. Und auch wenn die Bank uns großzügigerweise, was ich bis jetzt noch nicht so ganz kapiere, einen Kredit angeboten hat, Anfangskredit höher als die Kaufsumme und die Renovierungen wollen sie gleich mit finanzieren. Manchmal erlebt man solche Zeichen und oh Wunder, noch dazu nachdem schon drei Leute an diesem Projekt Pleite geworden sind. Nichtsdestotrotz hoffen wir, dass wir das anders machen. Im Silvaticum haben wir es ja auch zum Blühen gebracht, also unseren jetzigen Bad Meinberger Ashram, obgleich da auch schon mehreres vorher Pleite gegangen ist. Nicht, das ihr jetzt alle denkt: „Oh, kann ich noch meine Yogalehrerausbildung hier abschließen?“ Dann habe ich eben auch Swami Sivananda nochmal gebeten um ein Zeichen, habe irgendwo gesagt, ich habe ihn sogar gesagt: „Wenn bis Dienstag unsere Neuanmeldungen nicht darüber sind, dann breche ich das Projekt ab.“ Und ab Sonntag war dann die Anmeldesituation hoch. Sie sind zwar seit vorgestern wieder rückläufig, aber es war ganz eigenartig, für die Zeit, wo ich gesagt habe, „ich bitte um dieses Zeichen“, waren plötzlich die Anmeldungen fünfzig Prozent höher, ohne irgendeinen Grund. Mögt ihr sagen, doch vieles auf Aberglaube gebildet, aber ich meine, also mindestens meine Beziehung zu Swami Sivananda ist so, dass ich ihm das sage. Ich muss zugeben, ich käme nicht auf die Idee, mit Gott so zu reden. Das empfände ich als Gotteslästerung. Zu Gott sage ich immer nur: „Es passiert sowieso alles, was ist, was soll ich dort machen?“ Anzunehmen, ich hätte eine Aufgabe im Rahmen des kosmischen Universums, das ist schon vermessen, das zu sagen. Den Swami Sivananda kann ich so fragen… Das ist jetzt meine Weise. Das heißt nicht, dass es für jemand anderes anders ist. Fortsetzung folgt in einer Woche.

Manchmal ist es gut, in einer Krise auch mal ein bisschen Abstand zu gewinnen

Und als nächstes, Shiva, Om Namah Shivaya. Das ist auch etwas Wichtiges. In jeder Phase, besonders natürlich auch in Krisenphasen, Shiva steht hier für das Nach-Innen-Gehen, für Zeitnehmen, auch mal für Rückzug. Es heißt auch, letztlich zur Besinnung kommen. Da gilt es, das können wir zum einen natürlich machen durch tägliche Meditation. Wir können es machen durch tägliches Asanas, Pranayama. So nach innen gehen, um diese Quelle zu bekommen. Wir haben ja meditiert auf die verschiedenen Chakras, alles Kräfte, die da sind. Man muss jetzt nicht unbedingt diese sieben-Chakra-Meditation täglich machen, die wenigsten fänden das dauerhaft schön. Die meisten haben irgendeine andere Technik, die den Geist zur Ruhe bringt und ab und zu mal kann man dann eine solche Technik machen. Aber in jedem Fall, mit der Besinnung nach innen bekommt man diese Kraft. Om Namah Shivaya, wir nehmen uns Zeit dafür. Manchmal ist es gut, in einer Krise auch mal ein bisschen Abstand zu gewinnen. Also mal eins, zwei Tage vielleicht zu schweigen, vielleicht in einen Ashram zu fahren, vielleicht irgendwo in die Natur zu gehen. Bei den Indianern gibt es dann ja das so genannte Vision-Quest. Irgendwo geht man für eine Weile in den Wald, hat niemanden, mit dem man spricht, nimmt auch keine Vorräte mit. Und dann ist man auf sich und die Natur gestellt, bis man eine Vision bekommt. Das ist vielleicht jetzt in unseren Breiten nicht so ganz angesagt, aber von diesem Grundsatz her geht es. Übrigens, man sollte jetzt nicht zu lange natürlich nichts tun. Auch das ist dann manchmal nicht gut. Manche Menschen fühlen sich überfordert, fühlen sich im Burnout, und dann gibt es etwas ganz Gefährliches, wenn man dann länger als ein paar Wochen irgendwo im Nichtstun ist, dann landet man irgendwann in der echten Depression und dann ist es äußerst schwierig, rauszukommen. Es ist besser, nicht zu lange zu warten, bisschen Rückzug zu nehmen, „Om Namah Shivaya“. Dann folgt „Om Namo Narayanaya„. Und „Om Namo Narayanaya“ ist auch ein Mantra für den Weltfrieden. Om Namo Narayanaya bedeutet auch, möge das, was ich tue, gut sein zum Wohl anderer. Auch dabei kann man überlegen: „Wie kann ich das, was zu tun ist, wie kann ich das für andere auch tun? Wie kann ich meine Talente zum Wohl anderer einsetzen?“ Also, nach innen gehen, um letztlich dann auch wieder nach außen zu gehen. Letztlich ist dann auch die Frage: „Was ist meine Mission im Leben?“ Es gibt kleine Missionen und es gibt große Missionen. Nicht jeder fühlt, dass er so eine große Mission hat, aber kleine Fähigkeiten, kleine Talente, die man einbringen kann. Om Namo Narayanaya. Om Namo Bhagavate Vasudevaya. Deva heißt Licht, Vasu heißt Geschöpfe, Vasudeva, das Licht aller Geschöpfe. Das können wir auf verschiedene Weise deuten. Zum einen können wir darum bitten, dass wir durch göttliches Licht gelenkt werden. Es ist aber auch eine Bewusstheit, dass Licht in allen Geschöpfen ist. Es gab ja mal so ein Buch, das lautet, „Ich bin ok, du bist ok“. Das ist natürlich jetzt ein bisschen verballhornt. Ich muss sogar zugeben, ich habe es nicht gelesen, aber ich habe mal einen Zusammenfassung  gelesen und ich habe auch mal eine Hörsendung über dieses Buch gehört. Vielleicht sollte ich es doch mal lesen. Aber vom Grundsatz her, ist eigentlich das, was im Vasudeva auch ausgedrückt ist: „In mir selbst ist letztlich das göttliche Licht und drückt sich aus und in jedem anderen Menschen auch.“ Und jeder Mensch bemüht sich letztlich, das Gute und das Richtige zu tun. Auch wenn manche Menschen grausam sind und schlimmste Dinge tun, tun es dennoch Menschen in der Meinung, sie tun das Richtige und das Gute. Das ist paradox, das ist oft pervers, aber wenn wir das erst mal so anerkennen, dann ist schon Vieles gewonnen. Und gerade die – man kann sagen – christlich-jüdische Kultur, letztlich begonnen eigentlich durch die Perser mit dem Manichäismus, hatten so diese Dualität, es gibt das Gute und es gibt das Böse. Da gibt es, ich glaube, einen Ahriman und einen Ahura Mazda, und die bekämpfen sich. Teufel und Gott. Und die einen folgen dem Teufel und die anderen folgen Gott. Und dann gilt es natürlich, den Teufel muss man bekämpfen, die kämpfen ständig miteinander. Und dann diejenigen, die auf der Seite des Teufels sind, die muss man dann ausradieren, um der Welt was Gutes zu tun. Was ist die Konsequenz von dieser Philosophie? Grausamkeit. Wahrscheinlich ist mehr Grausamkeit in der Welt im Namen des Guten begangen worden, als im Namen von irgendetwas anderem. Und das halte ich ja für eine der schönen Entwicklungen unserer Zeit, dass mindestens in unseren Breiten- und Längengraden die Vorstellung, dass jemand abgrundtief böse sein könnte oder dass das Böse zu bekämpfen ist, nicht mehr da ist. Das ist jetzt für uns schon, für die Mehrheit der Menschen mindestens, so selbstverständlich geworden, dass wir vergessen, dass das früher nicht so war. Vor dreihundert Jahren gab es den Dreißigjährigen Krieg und Luther vorher hat gesagt, der Papst ist der Antichrist, der Papst ist der Teufel. Das hat er gesagt. Ich bin selbst protestantisch aufgewachsen, ich bin auch mit einem anderen Lutherbild aufgewachsen, aber letztlich schon in der Mittelstufe Religion, haben die uns fast Dinge gesagt, die vielleicht etwas überfordert haben einen Teenager. Eben auch diese antisemitischen und sonstigen radikalen und Antibauern-Ausdrücke von Luther. Aber es war ja nicht nur Luther, der Luther war ein Kind seiner Zeit. Und die Häretiker wurden auf den Scheiterhaufen geworfen und die Evangelischen und die Katholischen haben sich bekämpft, weil sie – gut, es gab auch Macht dabei – aber viele haben sich bekämpft, weil sie gedacht haben, sie müssen den Teufel ausrotten und die Menschheit vor der Hölle bewahren. Oder letztlich auch die anderen großen, letztlich Menschheitsschlächter des 20. Jahrhunderts, haben mindestens behauptet, sie meinen das Gute. Ob jetzt ein Hitler, ein Stalin, ein Mao oder ein Pol Pott, immer ging es darum, das Gute zu stärken, indem man das Böse vernichtet und einen neuen Menschen schafft. Also, wenn eine Weltanschauung einen neuen und einen anderen Menschen braucht, dann sollte man hellhörig sein. Das geht nämlich nicht. Erstens können Menschen sich nicht so einfach und schnell verändern und zweitens, die Gewalt, die dafür angewendet wird, ist nie etwas Gutes dort. Und so, eine andere Weltanschauung, die jetzt irgendwo vorherrscht, ist die psychologisch geprägte Weltanschauung, Manche sagen auch, es ist die evolutionstheoretische oder die paläontopsychologische Weltanschauung. Der Mensch ist ausgestattet mit… Gerade vorher hat noch die Shantidevi noch behauptet, in Karlsruhe wäre es immer schöner und wärmer als in Bad Meinberg. Bei uns hat die Sonne geschienen. Ok, die Paläontopsychologie sagt, wir sind alle ausgestattet mit den Fähigkeiten eines Steinzeitmenschen und mit denen laufen wir halt jetzt in Großstädten rum. Und das hat seine Vorteile und seine Nachteile. Aber kein Mensch ist wirklich schlecht. In jedem Menschen ist irgendwo das Gute. Natürlich, Menschen tun schlimme Sachen, aber letztlich ist kein Mensch schlecht. Manche Menschen muss man wahrscheinlich wegsperren, vielleicht manche für den Rest ihres Lebens, aber es heißt nicht, dass sie deshalb schlecht sind. Man sagt, man hat noch nicht ganz verstanden, wie man ihnen helfen kann. Die Therapiemöglichkeiten sind noch nicht so, dass man ihnen helfen kann. Das ist ein besserer Ansatz. Und das ist auch der Ansatz, der hinter dem Vasudeva steckt, wo wir sagen, hinter jedem Menschen ist irgendwo das göttliche Licht, egal, was er uns angetan hat. Und auch in jeder Situation, die geschieht, ist auch irgendwo eine göttliche Lektion. Fortsetzung folgt in einer Woche.