Manchmal ist es gut, in einer Krise auch mal ein bisschen Abstand zu gewinnen

Und als nächstes, Shiva, Om Namah Shivaya. Das ist auch etwas Wichtiges. In jeder Phase, besonders natürlich auch in Krisenphasen, Shiva steht hier für das Nach-Innen-Gehen, für Zeitnehmen, auch mal für Rückzug. Es heißt auch, letztlich zur Besinnung kommen. Da gilt es, das können wir zum einen natürlich machen durch tägliche Meditation. Wir können es machen durch tägliches Asanas, Pranayama. So nach innen gehen, um diese Quelle zu bekommen. Wir haben ja meditiert auf die verschiedenen Chakras, alles Kräfte, die da sind. Man muss jetzt nicht unbedingt diese sieben-Chakra-Meditation täglich machen, die wenigsten fänden das dauerhaft schön. Die meisten haben irgendeine andere Technik, die den Geist zur Ruhe bringt und ab und zu mal kann man dann eine solche Technik machen. Aber in jedem Fall, mit der Besinnung nach innen bekommt man diese Kraft. Om Namah Shivaya, wir nehmen uns Zeit dafür. Manchmal ist es gut, in einer Krise auch mal ein bisschen Abstand zu gewinnen. Also mal eins, zwei Tage vielleicht zu schweigen, vielleicht in einen Ashram zu fahren, vielleicht irgendwo in die Natur zu gehen. Bei den Indianern gibt es dann ja das so genannte Vision-Quest. Irgendwo geht man für eine Weile in den Wald, hat niemanden, mit dem man spricht, nimmt auch keine Vorräte mit. Und dann ist man auf sich und die Natur gestellt, bis man eine Vision bekommt. Das ist vielleicht jetzt in unseren Breiten nicht so ganz angesagt, aber von diesem Grundsatz her geht es. Übrigens, man sollte jetzt nicht zu lange natürlich nichts tun. Auch das ist dann manchmal nicht gut. Manche Menschen fühlen sich überfordert, fühlen sich im Burnout, und dann gibt es etwas ganz Gefährliches, wenn man dann länger als ein paar Wochen irgendwo im Nichtstun ist, dann landet man irgendwann in der echten Depression und dann ist es äußerst schwierig, rauszukommen. Es ist besser, nicht zu lange zu warten, bisschen Rückzug zu nehmen, „Om Namah Shivaya“. Dann folgt „Om Namo Narayanaya„. Und „Om Namo Narayanaya“ ist auch ein Mantra für den Weltfrieden. Om Namo Narayanaya bedeutet auch, möge das, was ich tue, gut sein zum Wohl anderer. Auch dabei kann man überlegen: „Wie kann ich das, was zu tun ist, wie kann ich das für andere auch tun? Wie kann ich meine Talente zum Wohl anderer einsetzen?“ Also, nach innen gehen, um letztlich dann auch wieder nach außen zu gehen. Letztlich ist dann auch die Frage: „Was ist meine Mission im Leben?“ Es gibt kleine Missionen und es gibt große Missionen. Nicht jeder fühlt, dass er so eine große Mission hat, aber kleine Fähigkeiten, kleine Talente, die man einbringen kann. Om Namo Narayanaya. Om Namo Bhagavate Vasudevaya. Deva heißt Licht, Vasu heißt Geschöpfe, Vasudeva, das Licht aller Geschöpfe. Das können wir auf verschiedene Weise deuten. Zum einen können wir darum bitten, dass wir durch göttliches Licht gelenkt werden. Es ist aber auch eine Bewusstheit, dass Licht in allen Geschöpfen ist. Es gab ja mal so ein Buch, das lautet, „Ich bin ok, du bist ok“. Das ist natürlich jetzt ein bisschen verballhornt. Ich muss sogar zugeben, ich habe es nicht gelesen, aber ich habe mal einen Zusammenfassung  gelesen und ich habe auch mal eine Hörsendung über dieses Buch gehört. Vielleicht sollte ich es doch mal lesen. Aber vom Grundsatz her, ist eigentlich das, was im Vasudeva auch ausgedrückt ist: „In mir selbst ist letztlich das göttliche Licht und drückt sich aus und in jedem anderen Menschen auch.“ Und jeder Mensch bemüht sich letztlich, das Gute und das Richtige zu tun. Auch wenn manche Menschen grausam sind und schlimmste Dinge tun, tun es dennoch Menschen in der Meinung, sie tun das Richtige und das Gute. Das ist paradox, das ist oft pervers, aber wenn wir das erst mal so anerkennen, dann ist schon Vieles gewonnen. Und gerade die – man kann sagen – christlich-jüdische Kultur, letztlich begonnen eigentlich durch die Perser mit dem Manichäismus, hatten so diese Dualität, es gibt das Gute und es gibt das Böse. Da gibt es, ich glaube, einen Ahriman und einen Ahura Mazda, und die bekämpfen sich. Teufel und Gott. Und die einen folgen dem Teufel und die anderen folgen Gott. Und dann gilt es natürlich, den Teufel muss man bekämpfen, die kämpfen ständig miteinander. Und dann diejenigen, die auf der Seite des Teufels sind, die muss man dann ausradieren, um der Welt was Gutes zu tun. Was ist die Konsequenz von dieser Philosophie? Grausamkeit. Wahrscheinlich ist mehr Grausamkeit in der Welt im Namen des Guten begangen worden, als im Namen von irgendetwas anderem. Und das halte ich ja für eine der schönen Entwicklungen unserer Zeit, dass mindestens in unseren Breiten- und Längengraden die Vorstellung, dass jemand abgrundtief böse sein könnte oder dass das Böse zu bekämpfen ist, nicht mehr da ist. Das ist jetzt für uns schon, für die Mehrheit der Menschen mindestens, so selbstverständlich geworden, dass wir vergessen, dass das früher nicht so war. Vor dreihundert Jahren gab es den Dreißigjährigen Krieg und Luther vorher hat gesagt, der Papst ist der Antichrist, der Papst ist der Teufel. Das hat er gesagt. Ich bin selbst protestantisch aufgewachsen, ich bin auch mit einem anderen Lutherbild aufgewachsen, aber letztlich schon in der Mittelstufe Religion, haben die uns fast Dinge gesagt, die vielleicht etwas überfordert haben einen Teenager. Eben auch diese antisemitischen und sonstigen radikalen und Antibauern-Ausdrücke von Luther. Aber es war ja nicht nur Luther, der Luther war ein Kind seiner Zeit. Und die Häretiker wurden auf den Scheiterhaufen geworfen und die Evangelischen und die Katholischen haben sich bekämpft, weil sie – gut, es gab auch Macht dabei – aber viele haben sich bekämpft, weil sie gedacht haben, sie müssen den Teufel ausrotten und die Menschheit vor der Hölle bewahren. Oder letztlich auch die anderen großen, letztlich Menschheitsschlächter des 20. Jahrhunderts, haben mindestens behauptet, sie meinen das Gute. Ob jetzt ein Hitler, ein Stalin, ein Mao oder ein Pol Pott, immer ging es darum, das Gute zu stärken, indem man das Böse vernichtet und einen neuen Menschen schafft. Also, wenn eine Weltanschauung einen neuen und einen anderen Menschen braucht, dann sollte man hellhörig sein. Das geht nämlich nicht. Erstens können Menschen sich nicht so einfach und schnell verändern und zweitens, die Gewalt, die dafür angewendet wird, ist nie etwas Gutes dort. Und so, eine andere Weltanschauung, die jetzt irgendwo vorherrscht, ist die psychologisch geprägte Weltanschauung, Manche sagen auch, es ist die evolutionstheoretische oder die paläontopsychologische Weltanschauung. Der Mensch ist ausgestattet mit… Gerade vorher hat noch die Shantidevi noch behauptet, in Karlsruhe wäre es immer schöner und wärmer als in Bad Meinberg. Bei uns hat die Sonne geschienen. Ok, die Paläontopsychologie sagt, wir sind alle ausgestattet mit den Fähigkeiten eines Steinzeitmenschen und mit denen laufen wir halt jetzt in Großstädten rum. Und das hat seine Vorteile und seine Nachteile. Aber kein Mensch ist wirklich schlecht. In jedem Menschen ist irgendwo das Gute. Natürlich, Menschen tun schlimme Sachen, aber letztlich ist kein Mensch schlecht. Manche Menschen muss man wahrscheinlich wegsperren, vielleicht manche für den Rest ihres Lebens, aber es heißt nicht, dass sie deshalb schlecht sind. Man sagt, man hat noch nicht ganz verstanden, wie man ihnen helfen kann. Die Therapiemöglichkeiten sind noch nicht so, dass man ihnen helfen kann. Das ist ein besserer Ansatz. Und das ist auch der Ansatz, der hinter dem Vasudeva steckt, wo wir sagen, hinter jedem Menschen ist irgendwo das göttliche Licht, egal, was er uns angetan hat. Und auch in jeder Situation, die geschieht, ist auch irgendwo eine göttliche Lektion. Fortsetzung folgt in einer Woche.

Dieser Blog Eintrag ist natürlich nur als Inspiration gedacht. Um Yoga und insbesondere Raja Yoga richtig zu lernen, ist der Besuch in einer Yogaschule oder in einem Yoga Zentrum am besten geeignet.
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