25 Gelassen mit Feinfühligkeit umgehen

Feinfühligkeit kann ein Segen sein – Feinfühligkeit kann aber auch Grund für Ängste und Gereiztheit sein. Daher ist dieser Podcast für alle feinfühligen Menschen besonders geeignet – und für alle, die mit Menschen mit gesteigerter Sensibilität zu tun haben.

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Hier das Skript dieser 25. Ausgabe des Yoga Vidya Gelassenheits-Podcast. Sukadev weicht jedoch an einigen Stellen vom Skript ab…Ich hatte dir das letzte Mal angekündigt, dass ich dieses Mal über deine wahre Natur sprechen würde. Ich habe ja die letzten Sendungen immer davon gesprochen, wer du nicht bist. Ich wollte daher jetzt darüber sprechen wer du wirklich bist. Ich habe mich aber entschlossen noch über zwei Themen zu sprechen, die gerade unter spirituellen Aspiranten wichtig sind: Gelassener Umgang mit gesteigerter Sensibilität, mit feinstofflichen Fähigkeiten und Nichtidentifikation mit spirituellen Erfahrungen. Dieses Mal will ich also sprechen über Umgang mit Feinfühligkeit und mit Sensibilität. Die nächsten Male über den Umgang mit weiteren feinstofflichen Fähigkeiten und spirituellen Erfahrungen.

Gelassener Umgang mit eigener Feinfühligkeit. Was heißt das?

Manche Menschen sind mit großer Feinfühligkeit geboren. Sie hören das Gras wachsen. Sie können die Stimmungen anderer wahrnehmen. Sie spüren, wenn es jemandem nicht so gut geht, wenn etwas im Busch ist.

Manchmal gehen sie dabei zu weit: Sie sind leicht kränkbar, sie geben Gesten und Mimik eine stärkere oder gar andere Bedeutung als ihnen zusteht.

Manchmal beziehen sie zu viel auf sich. Manchmal können sie es nicht aushalten mit Menschen, die leiden, die ärgerlich oder unruhig/nervös sind oder gar deprimiert.

Und manchmal entstehen hieraus Meidungsstrategien, Angst vor schlechten Schwingungen, vor „Pfeilen, die auf sie abgeschossen werden“ etc. Manche Menschen mit großer Feinfühligkeit können darüber sogar psychisch erkranken, in Paranoia, Angststörung oder Halluzinationen bis zur Schiziphrenie abgleiten.

Hier hilft wieder die Nichtidentifikation.

Sei dir bewusst: Du bist das Selbst, das Bewusstsein. Du hast besondere Fähigkeiten die sich jetzt auf eine bestimmte Weise manifestieren. Sei dankbar dass du diese besonderen Gaben hast. Du kannst vielleicht mehr spüren als andere – aber  du bist deshalb nicht besser als andere. Umgekehrt ist das normalerweise auch nicht krankhaft. Nutze diese besonderen Fähigkeiten zum Wohl anderer – aber sei dir bewusst dass nicht alles das schätzen. Nicht mit jedem kannst du darüber sprechen.

Beziehe aber auch immer die Möglichkeit mit ein, dass du dich irren kannst. Sei also auch bescheiden. Und wenn jemand etwas leugnet, was du spürst, ist es gut, den Willen des anderen zu respektieren: Selbst wenn du richtiger liegen kannst als der andere es zugeben willst ist es meist besser, den Standpunkt des anderen zu respektieren als auf der eigenen Feinfühligkeit zu beharren.

Eine gute Übung ist auch den anderen von der Tiefe seines Wesens zu spüren. Wenn du also z.B. dich traurig fühlst, fast weinen willst, weil du die Trauer, die Gekränktheit das Leiden des anderen erfährst, dann spüre mit deinem Herzen das Herz des anderen. Die Tiefe des Herzens: Vielleicht spürst du eine tiefe Verbundenheit, ein Glück, welches weit jenseits des äußeren Leidens geht. Wenn du mal erfahren hast, dass du Glück erfahren kannst in der Herzensverbundenheit mit einem Leidenden, kannst du dich leicht lösen von Leiden, die in dir entstehen durch das echte oder vermeintliche Erspüren des  Leidens anderer.

Manchmal geschieht es Menschen auch, dass sie erheblich feinfühliger werden, wenn sie einen spirituellen Weg gehen. Insbesondere wer den ganzheitlichen Yoga-Weg geht, bekommt oft Zugang zu subtileren Fähigkeiten:

  • Die Entspannung lässt den Menschen Tieferes wahrnehmen
  • Durch das Training von bewusster Körperwahrnehmung gerade im Hatha Yoga wird auch die subtile Wahrnehmung entwickelt: Alles Spüren ist ja mit körperlichen Empfindungen verbunden. Wenn du deinen Körper besser fühlst, wirst du dir auch der Spürintelligenz des Körpers bewusster
  • Eine reine Ernährung (vegetarisch, evtl. sogar vegan) lässt dich feinfühliger werden – je mehr Rohkost dabei ist, um so stärker ist der Effekt
  • Meditation öffnet dich zu einer höheren Wirklichkeit

Das Resultat ist eine gesteigerte Sensibilität – gegenüber Stimmungen anderer, gegenüber Energien, manchmal auch gegenüber einer Feinstoffwelt, subtilen Wesenheiten – und auch verbesserter Intuition.

Meist wird das als angenehm erlebt: Das Leben bekommt eine tiefere Dimension. Mehr Informationen heißt oft bessere Entscheidungen. Und Menschen, die eine auf diese Weise verbesserte Wahrnehmung bekommen, spüren auch mehr, was sie selbst brauchen, was ihr Körper braucht. Das ist einer der Gründe, weshalb Menschen, die Yoga üben, oft auch sonst ihren Lebensstil gesünder machen: Sie hören auf zu rauchen, werden gar nicht mal selten zu Vegetariern, mindestens essen sie gesünder, bewegen sich mehr, bekommen die Kraft auch ihre Beziehungen und ihre Arbeitswelt angenehmer zu gestalten – manchmal auch aus ungesunden Lebenswelten auszusteigen.

Manchmal erleben Menschen diese gesteigerte Sensibilität aber nicht nur als positiv: Sie leiden unter echten und vermeintlichen Gedanken anderer, unter echten oder wahrgenommenen schlechten Energien, Sensibilität auch gegenüber Umweltproblematik wie Elektrosmog etc.

Analogie:

Menschen die nach längerer Phase der Erblindung durch eine OP wieder sehen können. Die meisten sind danach sehr glücklich. Manche fallen aber auch in eine Depression einige Monate nach der Operation.

 Vier Probleme:

  • Das mehr an Leiden das man wahrnimmt
  • Fehlinterpretation des Wahrgenommen
  • Auf sich selbst beziehen – und sich selbst dafür verantwortlich machen
  • Ohnmacht: Man denkt man müsste etwas ändern – und kann es nicht

Menschen, welche wieder sehend wurden, mussten lernen:

  • Es gibt so viele Menschen – und so viel Leiden
  • Ich kann mich auch irren
  • Ich selbst bin nicht für alles verantwortlich – kann es auch nicht ändern
  • Ich kann mich lösen vom Wahrgenommenen: So wie man auch eine Zeitung lesen kann und sich von den schrecklichen Geschehnissen die da oft berichtet werden, sich lösen muss so kann man das auch mit dem was man neuerdings auch sieht

Auf die gesteigerte Sensibilität bezogen:

  • Es gibt so viele Menschen mit so vielen Emotionen
  • Ich kann mich auch irren: Ich mag etwas spüren – es kann aber auch etwas anderes sein, als ich denke. Eine innere Unruhe die man spürt:
    – Etwas läuft gerade schief
    – Ich selbst bin unruhig wegen Lampenfieber wegen etwas in mehreren Stunden oder Tagen
    – Jemand anderes im Raum oder nebenan ist nervösMan selbst hat Kaffee getrunken…
  • Lösen vom Wahrgenommenen: Auch wenn das was man wahrgenommen hat, scheinbar im Körper spürbar ist, ist es doch nicht im Körper. Es ist nur eine Wahrnehmung. So wie das was man sieht zwar als Bild scheinbar auch im Auge ist, bleibt es doch außerhalb. So bleibt das Objekt das man wahrnimmt außerhalb, auch wenn man es scheinbar als Gefühl z.B. im Bauch wahrnimmt.
  • Erdende Übungen sind hilfreich. Eine einfache: Tiefe Bauchatmung; körperliche Anstrengung, z.B. Sport, anstrengende Yoga Asanas
  • Öfter mal sich trainieren im Nichtbeachten der Wahrnehmung
  • Übungen für ein geborgenes Energiefeld (Kavacham) – spätere Sendung dieses Podcasts

Denke nach über folgende Worte:

  • Feinfühligkeit
  • Demut
  • Erden
  • Nichtidentifikation
  • Beobachten
  • Bewusstmachen: Ich in das unsterbliche Selbst, nicht dieser Körper

Mehr Infos unter https://www.yoga-vidya.de