27 Hänge nicht an spirituellen Erfahrungen

Auch spirituelle Erfahrungen sind nur das: Erfahrungen. Spirituelle Erfahrungen sind wunderschön, sind oft mit unglaublichen Glücksgefühlen verbunden. Keine andere Erfahrung kommt ihnen in Intensität und Wonne gleich. Spirituelle Erfahrungen  können dir Einsichten vermitteln, die dir im Alltag weiterhelfen. Und wenn spirituelle Erfahrungen dich zur Erkenntnis deines wahren Selbst und zur Verwirklichung des Göttlichen verhelfen, erlangst du eine Gelassenheit die durch nichts zu erschüttern ist. Erfahrungen können aber auch abhängig machen und gierig – dich reizbar machen, wenn sie ausbleiben, stolz – wenn sie kommen.

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Hier das Skript von dieser 27. Folge des Yoga Vidya Gelassenheits-Podcast – von dem Sukadev an vielen Stellen abgewichen ist, bzw. das Sukadev z.T. erheblich ausgebaut hat:

„Auf dem Weg zu dieser höchsten Erfahrung kannst du aber auch eine Menge anderer Erfahrungen machen:

  • Aura sehen
  • Chakras spüren
  • Anahata Klänge hören
  • Kontakt mit Naturwesen, wie Baumgeister, Feen, Elfen etc.
  • Überwindung des Körpergefühls, Astralreise, Ausdehnung
  • Kundalini Erweckungs-Erfahrungen: Hochenergie, Bewusstseinausdehnung, Heilfähigkeiten etc.
  • Verbundenheit mit Engeln und spirituellen Meistern
  • Erfahrung der Nähe Gottes
  • Herzensöffnung, kosmische Liebe, Verbundenheit
  • Berufungserlebnisse

Das sind großartige Erfahrungen, und ich würde sie um nichts in der Welt missen wollen. Nur: Wenn du dich damit identifizierst, können spirituelle Erfahrungen zu einer Quelle von Gereiztheit werden:

  • Aus Identifikation kommt: Vergleich mit anderen: Ich bin besser/schlechter als andere
  • Hängen an Erfahrungen: Manchmal kommt nach einer Phase spiritueller Flitterwochen mit intensiven Erfahrungen eine Phase von weniger Energie –und die Notwendigkeit, wieder in der normalen Welt mit normalem Bewusstsein zu leben und zu wirken. Gar nicht mal wenige Menschen fallen nach einer Phase großartiger spiritueller Erweckung und Erlebnissen in eine Phase der Niedergeschlagenheit und Enttäuschung – Enttäuschung mit Gott, mit den spirituellen Lehrern, mit den spirituellen Praktiken, dem spirituellen Weg Enttäuschung mit sich selbst
  • Gier nach mehr Erfahrungen
  • Abneigung gegen die ach so mondäne und banale Welt
  • Angst, die spirituellen Erfahrungen zu verlieren – und daher meiden von Situationen und sogar Menschen welche einem die spirituellen Erfahrungen weg nehmen können: Spirituelles Leben wird zur Weltflucht

Sei dir bewusst: Spirituelle Erfahrungen lassen dich die Wonne deiner Seele erahnen. Sie können dir Erkenntnisse schenken.  Aber: Du bist nicht eine Erfahrung, auch nicht die schönste Erfahrung. Du kannst dir bewusst machen: Ich bin derjenige der erfährt, ich bin nicht die Erfahrung.  Erfahrungen kommen und gehen. Auch die großartigsten Gotteserfahrungen können kommen und gehen.

Freue dich an spirituellen Erlebnissen. Danke für die Gnade die dir zuteil wurde. Dein Wert hängt nicht daran – und auch ein scheinbar normales Leben hat seinen Sinn und Wert. Mindestens im Jnana Yoga übst du Gelassenheit auch gegenüber spirituellen Erlebnissen. So hat es auch Buddha gelehrt: Hänge nicht an Verzückungs-Erlebnissen.  Und gerade Jesus hat im Alltag den bewussten Umgang mit allen gelehrt – und bewusst auch die Nähe der Menschen gesucht, deren Gegenwart von der religiösen Tradition seiner Zeit als nicht für die spirituelle Praxis förderlich galt, also z.B. Prostituierte Aussätzige, Tote, Zöllner und damit materialistische Kollaborateure mit der römischen Besatzungsmacht. Er betonte in seinen Predigten und Gleichnissen gerade nicht die Gier nach spirituellen Erfahrungen, sondern den uneigennützigen Dienst an den Armen, den Gefallenen und Kranken. Und die Hingabe an Gott gerade im Alltag.

Im indischen Bhakti Yoga gibt es allerdings noch eine weitere Möglichkeit, mit der spirituellen Krise des Verlusts der Erfahrung von Gottes Gegenwart umzugehen: Ein Bhakta welcher den Weg der Gottesverehrung geht, würde nach der Erfahrung der Nähe Gottes seiner Sehnsucht Ausdruck verleihen. Er würde zu Gott beten: Bitte, zeige dich mir wieder. Lass mich dich ganz spüren. Du hast mir einen Geschmack von dir gegeben. Bitte lass mich ganz mit dir verschmelzen.

Überlege: Hast du schon tiefe spirituelle Erfahrungen gemacht? Wie waren sie? Wie lange haben sie angehalten? Wie lange hast du danach eine Phase des Glücks, der Euphorie gehabt? Was ist nachher gekommen? Wie könntest du gelassener damit umgehen? Wie kannst du Enttäuschungen vermeiden?

Mehr Infos unter https://www.yoga-vidya.de >>>

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